Umgang mit Kritik - Einfach abprallen lassen?

Jeder Mensch wird in nahezu allen Lebensabschnitten und den unterschiedlichsten Lebensbereichen mit Kritik konfrontiert.

Die Art und Weise, wie wir jedoch persönlich mit dieser umgehen, könnte häufig unterschiedlicher nicht sein. Das ist so, weil die Kritik, die wir wahrnehmen und die uns entgegengebracht wird, auf den unterschiedlichsten Ebenen wirkt und niemals nur auf einer. Je nachdem, um was für eine Art von Kritik es sich handelt und welche Erfahrungen wir in unserem Leben schon diesbezüglich gesammelt haben, reagieren wir höchst individuell. Die hat u.a. mit Glaubenssätzen, Selbstliebe, Selbstbewusstsein, Vorerfahrungen, Prägungen und dem sozialen Kontakt, der die Kritik äußert, selbst zu tun.

Generell bemerken wir im Groben zwei unterschiedliche Typen:

  1. Die, die Kritik ablehnen

  2. Die, die Kritik annehmen

Um den Rahmen nicht zu sprengen, soll es in diesem Beitrag lediglich darum gehen, wie die erste Personengruppe mit Kritik umgeht. Die zweite folgt dann im nächsten Beitrag.

Die erste Personengruppe erscheint häufig so, als würde jegliche Kritik an ihr abprallen. Bis zu einem gewissen Maß kann das positiv sein und von einem starken Selbstbewusstsein zeugen. Die Glaubenssätze dieser Personen scheinen, auf den ersten Blick zumindest, so geprägt zu sein, als dass sie den Personen dazu verhelfen, zu wissen, dass sie das richtige tun und daran keinerlei Zweifel aufzukommen hat. Zu beachten ist jedoch, dass ab einem gewissen Grad, dieses Selbstbewusstsein auch in Überheblichkeit münden kann. Häufig spricht man von sogenannten „beratungsresistenten Personen“, die scheinbar nicht in der Lage sind, Kritik anzunehmen, geschweige denn umzusetzen. In einigen Fällen wird ihnen auch Sturheit zugeschrieben. Dieser Charakterzug äußert sich dann nicht nur dadurch, dass Kritik nüchtern abprallt und nicht angenommen wird, sondern zudem darauf, dass die eigenen Auffassungen und Ansichten stetig verstärkt und glorifiziert werden. Das Maß der Selbstüberzeugung ist in diesem Fall deutlich höher. Auch wenn eine sture Person bemerken sollte, dass sie sich geirrt hat, wird ihre Sturheit sie davon abhalten, dies zugeben zu können.

Geht man noch ein wenig mehr in die Tiefe, wird schnell deutlich, dass hinter der Fassade auch noch mehr stecken KANN.

Denn hinter einer harten Schale kann sich bekanntlich auch ein weicher Kern verstecken. In diesem Fall sind häufig auf Grund von Erfahrungen und prägenden Ereignissen Glaubenssätze entstanden, die nicht zulassen, dass Kritik wirklich verletzend und angreifend wirken kann. Eine Art inneres Schutzschild, das dazu dient, deine Psyche von Wunden zu schützen. Kritik prallt in diesem Fall vielleicht an dir ab, weil dein Selbstwert und dein Selbstbewusstsein eben nicht so stark sind, wie es den Anschein macht, sondern im Gegenteil sehr verwundbar sind. Häufig ist dies die Folge von prägenden Ereignissen im Laufe der Sozialisation.

An dieser Stelle sei kurz angemerkt, dass prägende Ereignisse, entgegen der Erwartung, auch klitzekleine Dinge sein können.

Wenn du zu der Personengruppe gehörst, die generell dazu tendiert, Kritik abzulehnen, solltest du dich selbst einmal reflektieren und hinterfragen, weshalb du so bist. Bist du wirklich so sehr von dir überzeugt, oder schützt du dich nur selber? Wirkst du auf andere stur und überheblich und willst du das auch?